Hinter den Kulissen

Bei unserer täglichen Arbeit draussen auf den Wanderwegen sowie auf der Geschäftsstelle in Luzern treffen wir immer wieder auf spannende Menschen. Hier teilen wir ganz persönliche Geschichten «von uns».

 

Der Vogel von Willisau

Es gibt viele Vögel in Willisau. Aber nur einen Erwin Vogel – unser Leiter im Bezirk Hergiswil. Woher er kommt, kann man in seiner Familienforschung «Die Vogel von Willisau und vom Menzberg» nachlesen. Welchen Spuren er nachgeht und welche er verwischt, erfährt man hier.


«Schon wieder Spinnweben», bemerkt Erwin. Vor wenigen Tagen erst geputzt und doch könnte man bereits von vorne beginnen. Aber dann wird man bekanntlich nie fertig. Genauso wie beim Küchenfenster verhält es sich mit Wegweisern. Gegenstand unserer Inspektion ist ein gelber Richtungszeiger am Waldrand südlich von Willisau. Ganz in der Nähe wohnt Erwin Vogel, Bezirksleiter von Hergiswil bei Willisau. Sein Gebiet, welches er im Ehrenamt für den Verein Luzerner Wanderwege pflegt, reicht von seiner Haustüre bis hoch zum Napf.

Erwins Vorbereitung auf unser Treffen war nicht umsonst. Abgesehen von ein paar Spinnweben glänzen die Schilder wie neu. Jedes einzeln poliert mit Wasser und Lappen. Alle Spuren von Vögeln und Blütenstaub beseitigt. Das leuchtende Gelb vor dem frühlingshaften Grün des Jungwaldes erfreut unser Blick. Das sonnige Wetter lockt viele Menschen nach draussen. «Dank der speziellen Corona-Situation sind noch mehr Wanderer unterwegs», berichtet Erwin. In vielen Medien war die Rede von ‘Dichtestress’, Problemen mit Bauern oder Grundstückbesitzern sowie Konflikte mit Tieren. «Davon habe ich hier nichts gehört», verneint Erwin und ergänzt: «Es ist doch schön, wenn die Leute die Natur geniessen. Wir leben hier privilegiert, umgeben von Wald und mit toller Aussicht in die Berge. Die Wandernden schätzen das und verhalten sich respektvoll.»

Erwin muss es wissen, steht er doch im Kontakt mit vielen Anwohnern und Grundstückbesitzern entlang ‘seinem’ Wegnetz. So kennt er beinahe jede Bauernfamilie in der Umgebung. Nicht erst seit seiner Pensionierung betreibt er Ahnenforschung. «Schon als Bub hat mich Geschichte interessiert. Später begann ich, viele Menschen aus der Region zu interviewen. Ich höre gerne Geschichten von früher, schaue mir Karten und Bilder von Liegenschaften an.» Resultat war nicht nur ein begehrtes, fast 500 Seiten umfassendes Buch über «Die Vogel von Willisau und vom Menzberg», sondern auch ein Bildband mit Dias und Fotos seines Vaters. «Er war begnadeter Hobbyfotograf und hat unzählige Aufnahmen von hohem kulturellem Wert für die Region hinterlassen. Die Auswahl und Digitalisierung waren sehr aufwändig aber enorm spannend.»

Erwin Vogel poliert die Wegweiser und erneuert die Markierungen im Bezirk Hergiswil bei Willisau.


Ein Gesicht für unser Engagement

Während Erwin von seinen verschiedenen Projekten erzählt, wandern wir auf weichen Waldwegen Richtung Vorberg. Begleitet vom Zwitschern der Vögel im Angesicht der Abendsonne. Fasziniert lauschen wir dem Treiben über uns und beobachten die Szenerie. «Die Natur belohnt mich für die Arbeit. Frühmorgens gehe ich am liebsten raus», antwortet Erwin auf meine Frage, was ihn nach neun Jahren als Bezirksleiter noch immer motiviert. Das Thema Wandern habe in seiner Familie einen hohen Stellenwert, denn seine Frau war viele Jahre als Wanderleiterin für den Verein tätig. Da unterhalte man sich auch mal über Wegführung oder Markierungen. Als Beobachterin stelle ich fest: So akribisch wie Erwin seiner Leidenschaft für die Historik nachgeht, pflegt er auch die Signalisation der Wanderwege. «Früher habe ich oft Mängel oder Schäden ausserhalb meines Bezirks gemeldet. Heute lasse ich die Fünf auch mal gerade sein. Immerhin arbeiten fast alle im Verein ehrenamtlich. Da kann nicht alles perfekt sein. Aber mein Anspruch ist es schon», betont der Willisauer.

Selbstverständlich hält er auf Karten und Tabellen die wichtigsten Wegweiser, Rhomben und Richtungszeiger fest, welche geputzt oder frisch bemalt wurden. «Schon nach zwei Jahren sieht ein Rhombus auf einer Rinde anders aus. Die Bäume leben, sie verändern sich ständig.» Vorbeigehende Wanderer zeigten sich immer wieder begeistert, wie sorgfältig er sich um die Bemalung kümmere und mit welchem Arsenal an Pinseln er zu Werke gehe. 16 Kilogramm wiege die gesamte Ausrüstung inklusive Farbe, Werkzeuge, Informationsbroschüren und einer Leiter. «Zum Glück brauche ich nicht immer alles. Schwer beladen bin ich natürlich langsam unterwegs, habe dafür Gelegenheit, mich mit Vorbeigehenden zu unterhalten. Am liebsten spreche ich über Ausflugsideen. Mir schweben einige neue Routen vor.» Sagt’s und zeigt Richtung Horizont, wo sein Tipp für den Frühling verläuft: Von Willisau auf den Menzberg, vorbei am wilden Eglibach vielleicht mit einer Pause im Restaurant in der Rohrmatt. Weiter geht’s entlang der Buechwigger hoch zum Ober Alpetli und zur Alp Oberlehn. Schritt für Schritt eröffnet sich einem das herrliche Alpenpanorama. Ziel ist Dorf Menzberg mit Bus Anschluss. Hier finden Sie den Wandervorschlag.

Wer im Sommer in der Region Willisau wandern geht, hält vielleicht die neue Wanderkarte von Willisau Tourismus in der Hand. Sie erscheint im Juni und zeigt unter anderem Erwin bei seiner Arbeit. «Ich gebe damit unserem Engagement ein Gesicht, möchte aber betonen, dass die gute Zusammenarbeit mit meinen Kollegen der Nachbarbezirke unerlässlich ist. Das Gebiet ist gross und wir möchten lückenlos schöne und sauber signalisierte Wege bieten.» Dafür setzt sich Erwin während der Wandersaison wöchentlich für einige Stunden ein. Um den Vogel von Willisau zu treffen, folgen Sie einfach den leuchtenden, gelben Markierungen.


Text und Bilder: Ramona Fischer

 

Mit Sorgfalt und feinen Pinseln gelingt der perfekte Rhombus.

Gastrecht im "Pilatus"

In der Frühlingsausgabe der Mitgliederzeitschrift "Pilatus" des SAC-Pilatus dürfen wir einen Gastbeitrag veröffentlichen. Der Text ist vor den Einschränkungen durch das Coronavirus entstanden und lässt Sie nun für kurze Zeit in einen "normalen" Frühling eintauchen.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen auf den Wanderwegen, zum Beispiel im Rahmen der Hüttentrophy 2020.


Quelle: Zeitschrift Pilatus April/Mai 2020, SAC-Pilatus

Gastrecht im Pilatus April/Mai 2020

Der Perfektion auf den Fersen

Eine Begehung mit Kurt, Sepp und Andreas

 

Sie steht an erster Stelle, prägt das Leitbild und wird gerne in die landesweite Öffentlichkeit getragen. Die Rede ist nicht etwa von der Sendung SRF bi de Lüt - Wunderland mit Nik Hartmann. Auch nicht von der Grand Tour of Switzerland, der panoramareichen Route durch unser Land. Nein, die Rede ist von der Signalisation unserer Wanderwege. Beim Verein Luzerner Wanderwege gehört diese zu den wichtigsten Aufgaben. „Für meine rund 70 Kilometer Wegnetz bin ich ziemlich oft unterwegs. Aber es ist wunderschön hier und ich mache diese Arbeit sehr gerne“, sagt Kurt Portmann. Er ist Bezirksleiter in Hasle und gemeinsam mit Sepp Emmenegger vom Bezirk Schüpfheim an einer Weiterbildungs-Begehung in Heiligkreuz dabei. Geleitet wird sie von Andreas Lehmann, Geschäftsführer und technischer Leiter der Luzerner Wanderwege. Er sagt zum bevorstehenden Morgen: „Solche Treffen sind sehr wertvoll für uns. Wir machen sie in einem Zweijahresturnus mit jeweils zwei bis vier Bezirksleiter. Wenn möglich, begehen wir eine Strecke, die sowieso schon zu reden gibt. Wie zum Beispiel hier mit einem Fussweg, der allfällig anders markiert werden soll und dann nicht mehr zum Wanderwegnetz gehört. Gemeinsam vor Ort finden wir schnell Lösungen und Optimierungsideen.“

Es solle auf keinen Fall als Kontrollgang oder gar „Polizeibesuch“ aufgefasst werden, stellt Andreas klar. Dennoch spüre ich als unbeteiligte Beobachterin zu Beginn eine gewisse Nervosität bei Kurt. Er habe nach Bekanntgabe des Termins absichtlich nichts mehr angerührt. Eine sanfte Vorwarnung, dass ein paar Dinge nicht in Ordnung sind? „Die Bezirksleiter arbeiten als freiwillige Helfer für unseren Verein. Da steckt viel Herzblut dahinter. Aber es ist klar, dass diese Männer und Frauen auch noch andere Jobs und Verpflichtungen haben. Nicht alles kann sofort oder immer blitzsauber erledigt werden“, so Andreas. Seine Wertschätzung gegenüber der geleisteten Arbeit ist gross und widerspiegelt sich in der gewählten Kommunikation. Bestimmt aber auch mit einer Prise Humor trifft er die goldene Mitte zwischen Lob und Tadel. Man versteht sich.

Am Ausgangspunkt in Heiligkreuz: Andreas Lehmann, Kurt Portmann und Sepp Emmenegger (oben v. l.). Mit Handy und Karte geht es los.


Die Krux mit der Bestätigung

Unser Rundweg über die unter Einheimischen bekannte „kleine First“ zum Berggasthaus First und zurück über die Reistegg verbindet die Nachbarbezirke Hasle und Schüpfheim. Kurt und Sepp erkundigen sich gegenseitig über ihre Art der Signalisation. Vor allem die sogenannte Bestätigung nach einem Standortwegweiser gibt zu reden. Damit ist ein Zeichen im direkten Sichtfeld des Wanderers gemeint, dass er vom Ort des Wegweisers den richtigen Weg einschlägt. „Hier ist ja klar, dass man einfach dem Pfad folgt. Man läuft ja nicht plötzlich quer in die Wiese rein“, argumentiert Kurt unterwegs an einer besagten Stelle. Andreas entgegnet: „Du hast recht und trotzdem wäre ein Rhombus gut für den Fall, dass jemand mutwillig am Wegweiser dreht und die Fortsetzung des Weges nicht mehr logisch ist.“

Für solche Situationen gibt es ein Handbuch des Dachverbandes Schweizer Wanderwege. Es enthält klare Richtlinien wie eine lückenlose Signalisation auszusehen hat. „Daran halten wir uns. Das ist unser Anspruch. An einer Verzweigung muss man ohne Karte wissen, wie man zum gewünschten Ziel kommt. Aber manchmal müssen einige Stellen separat betrachtet werden“, so Andreas. Gäbe es beispielsweise keine Möglichkeit, eine Markierung zu malen oder einen Rhombus zu befestigen, könne man dem Bauern nicht einfach eine Stange ins Land stellen. Da sind Erfahrung, Gebietskenntnis und Fingerspitzengefühl gefragt. „Ich bin stolz auf unser Bezirksleiter-Team. Sie werden selber kreativ und teilen ihre Ideen untereinander“, attestiert der technische Leiter. Zum Beispiel wie und wo man einen verkrümmten Wegweiser wieder geradebiegen kann. Einen solchen finden wir kurz unterhalb des Berggasthauses. Es scheint, als wollte jemand die Tragkraft des Schildes testen. Unverständlich und dumm erscheint mir diese mutwillige Beschädigung. „Eine doppelseitig bedruckte Tafel kostet rund 180 Franken“, weiss Kurt. Dazu kommt das Material zur Befestigung. Meistens entstehen Schäden allerdings durch Kollisionen mit Fahrzeugen, seltener werden sie abgeschraubt oder gar nach Hause genommen.

In der Zwischenzeit hat sich Kurts Nervosität gelegt. Wir haben den Gipfel erreicht, die Sonne schafft kurzzeitig den Durchbruch durch die im August schon herbstlich anmutende Nebeldecke und es ist Zeit für eine Trinkpause. „Man muss sich immer in die auswärtigen Gäste hineinversetzen. Die Einheimischen bräuchten keine Wegweiser, sagt der in Hasle wohnhafte ehemalige Strassenbauer. Und weiter: „Ich überlege mir immer, welche Ziele sie wohl anpeilen. Es hilft, dass ich selber sehr gerne draussen unterwegs bin und die Wanderer antreffe.“

 

Auf schönen Waldwegen gelangen wir zu einer Lichtung und halten Ausschau nach der nächsten "Bestätigung".


Wie ein offenes Buch

Bisher hat Sepp kaum etwas gesagt. Er kommt mir vor wie der ruhige Pol neben dem kommunikativen Gemüt seines Kollegen. Auch jetzt, wo wir hinunter in „sein Schüpfheimer Hoheitsgebiet“ wandern, zeichnet sich keine Aufregung ab. Da es bereits gegen Mittag geht, nehmen wir den kürzeren Weg. Die vielen Stopps zur fotografischen Dokumentation und Diskussion an den Markierungsstandorten brauchen Zeit. Auf dieser Strecke liegen zwar nur wenige Verzweigungen mit kniffligen Wegführungen. Einmal hält Sepp dennoch inne und sagt: „Hier würde ich besser den einen Wegweiser auf der anderen Stangenseite montieren. Wenn man von oben kommt, kann man das Ziel schlecht lesen.“ Allerdings zeigt der betreffende Wegweiser nach oben und ist demnach wichtiger für Wanderer von unten. Also alles beim Alten lassen. „Wichtig ist vor allem die vertikale Anordnung. Wir gehen vor wie beim Öffnen eines Buches. Die oberste Tafel zeigt zum Betrachter, danach fächern sich die Schilder mit zunehmendem Winkel auf“, erklärt Andreas, der immer auch entsprechende Seiten des Handbuchs griffbereit hat. So ist gewährleistet, dass alle Ziele und Zeiten gelesen werden können. Das Konzept erscheint mir logisch und gleichzeitig habe ich Verständnis, dass bei der Vielzahl an Wegweisern eine falsche Anordnung leicht übersehen werden kann.

 

Auch im Nebel gut erkennbar: der gelb gemalte Rhombus. Auf beiden Seiten des Ahornstamms selbstverständlich.


Die wichtige Differenzierung

Am Ende resultiert neben einem Protokoll mit zu erledigenden Arbeiten und kleineren Änderungswünschen auch ein konkretes Vorgehen für den möglichen Fussweg. „Wir haben eine gute Strategie. Damit könnten wir unmissverständlich zwischen frei markierten Fuss- und gelb ausgeschilderten Wanderwegen differenzieren. Vor der Umsetzung müssen wir uns allerdings noch mit allen Beteiligten absprechen", sagt Andreas zuversichtlich. Dieser Vormittag ist ein weiterer Schritt in Richtung perfekter Signalisation. Auch wenn wir heute nicht einmal ein Fünftel des Wegnetzes von Sepp und Kurt abgelaufen sind, ist die Weiterbildung gelungen. Gemeinsam mit 31 weiteren Bezirksleiterinnen und Bezirksleiter kümmern sie sich auch um den Rest ihres Gebietes wie um den eigenen Garten. Jährlich werden so die insgesamt 2750 Kilometer Luzerner Wanderwege kontrolliert, gelbe Rhomben oder rot-weisse Markierungen nachgemalt, Schilder geputzt, gerichtet oder ersetzt und die Logik der Wegführung überprüft. Auch mein Blick ist für die nächste Wanderung geschärft und ich freue mich, die schönen Wege und Plätze in Hasle oder Schüpfheim zu besuchen.

 

Text und Bilder: Ramona Fischer

 

Auf der Grenze zwischen Hasle und Schüpfheim (oben). Die Wegweiser werden fotografiert und die anstehenden Arbeiten notiert.

Der Mann für alles im Sörenberg


Dass die Wanderwege gepflegt werden, weiss jeder. Und doch weiss keiner, wer dies tut. Im Sörenberg sorgt seit 30 Jahren vor allem einer dafür, dass Wanderer perfekte Bedingungen für ihre Ausflüge vorfinden: Beat Felder.

 

Ein Mittwochmorgen Anfang Juli. Beat Felder sitzt in einem Restaurant in Sörenberg. Sein Kaffee wird bereits ohne Bestellung serviert. Er strahlt übers ganze Gesicht: „Ich freue mich immer sehr, wenn ich unterwegs Leute treffe und mich mit ihnen unterhalten kann. Es macht mich stolz, dass unsere Gäste auf schönen Wegen wandern können und dies schätzen.“  Dahinter steckt freilich viel Handarbeit. Seit 30 Jahren ist Beat Felder bei Sörenberg Flühli Tourismus angestellt. Früher als ‚Mitarbeiter im Aussendienst‘, heute im sogenannten ‚Werkdienst‘. „Einfach alles ausserhalb vom Büro“, schmunzelt Beat. Darunter fallen im Winter das Präparieren von Loipen, Winterwanderwegen und Schlittelpisten, das Freischaufeln von Bänkli, Gebäuden und Spielplätzen sowie den Fahrzeugunterhalt. Im Sommer sind 500 Stunden für die Wanderwege budgetiert. „Da spielt die Natur eine entscheidende Rolle. In den letzten Jahren hatten wir zum Glück keine Sturmschäden. Ein Unwetter im 108 km2 grossen Gebiet bringt schnell einen Monat mehr Arbeit.“

Obwohl er die neuralgischen Stellen gut kennt, trifft er unterwegs immer wieder Überraschungen an und muss schnell eine Lösung finden. „Die Zusammenarbeit mit den Gemeidearbeitern ist sehr gut und manchmal helfen mir auch Jungs aus dem Dorf. Aber es ist auch schon vorgekommen, dass ich alleine am Berg stand und einen umgekippten Pfosten aufstellen oder einen Brocken aus dem Weg räumen musste.“ Da sind kreative Lösungen im Einklang mit der Natur gefragt. „Am besten ist meine Arbeit, wenn man sie am Ende nicht sieht“, resümiert der gelernte Schreiner und Zimmermann. Mit seinem Jeep voller Werkzeuge kann er zwar viele Forstwege hochfahren, aber dennoch gehören ein paar Stunden laufen mit Material auf dem Rücken dazu. Fit ist der athletische Familienvater alleweil und noch lange nicht müde. „Auch in der Freizeit gehe ich gerne auf Bergtouren. Am liebsten abseits ausgetretener Pfade. Aber auch die Karrenfelder der Schrattenfluh faszinieren mich immer wieder.“

Beat Felder, Bezirksleiter im Sörenberg bei der Arbeit und mit seiner Werkzeugbank im Jeep.


Das Gerüst zum Anlehnen

Ebenfalls seit rund 30 Jahren engagiert sich Beat für den Verein Luzerner Wanderwege als Bezirksleiter. In dieser Zeit hat sich viel verändert. „Die Infrastruktur hat sich stark verbessert. Die Arbeit der Geschäftsstelle am Computer ist enorm. Ich staune immer wieder, wie detailliert jeder einzelne Wegweiser kartografiert und geplant wird. Der Verein gibt mir Sicherheit, ich fühle mich mit meinen Anliegen ernstgenommen. Er ist wie ein Gerüst zum Anlehnen.“ Dieses Gerüst werde es auch in Zukunft brauchen, meint Beat, denn die Ansprüche der Wanderer seien gestiegen. Schön, korrekt signalisiert und sicher sollen die Wege sein. „Früher ist man auch mal ein Stück durch eine sumpfige Wiese gelaufen, das hat einfach dazugehört. Heute muss die Wegqualität lückenlos stimmen.“ Sörenberg Flühli Tourismus steht schliesslich in Konkurrenz zu anderen Destinationen und will schlechte Propaganda tunlichst verhindern. Beat trauert nicht etwa den alten Zeiten nach. Im Gegenteil: „Mir gefällt der Wandel im Verein. Es wird frischer und ich bin stolzer Teil davon. Wenn immer möglich habe ich einen Prospekt dabei und zeige ihn den Leuten unterwegs.“

 

Saubere Wegweiser sind Beat besonders wichtig.


Der Einklang mit Flora und Fauna

Die grösste Problematik stellt aktuell das Thema Mutterkuhhaltung dar. „Die jüngsten Fälle haben die Bauern aufgeschreckt“, berichtet der gebürtige Sörenberger, der selbstverständlich jeden Bauern und Älpler der Region persönlich kennt. „Es braucht viele Gespräche. Es stehen Haftungs- und Kostenfragen im Raum, sodass die Bauern lieber Wege verlegen oder auszäunen. Das bedeutet viel Aufwand und ist nicht überall möglich.“ Später auf dem Weg vom Kaffee zu seiner ersten Arbeitsstelle des Tages bringt er das Dilemma auf den Punkt. „Die Leute wollen Ruhe und authentische Landschaften, haben aber heutzutage weniger Bezug zur Natur und sind nicht mehr vertraut im Umgang mit Kühen. Wenn jemand wie wir jetzt durch diese Kuherde wandert, braucht es Erfahrung, um deren Befinden und damit die Gefahr einschätzen zu können. Zudem sind sehr viele Wanderer mit Hunden unterwegs. Seit die Wölfe nicht mehr in der Nähe sind, ist das weniger problematisch. Dennoch können Hunde das Vieh nervös machen“, weiss der erfahrene Jäger.

Man merkt, der Einklang der Menschen mit Flora und Fauna liegt ihm am Herzen. Beat hat stets die Sinne geschärft, beobachtet Wildtiere und saugt mit leuchtenden Augen die Farben einer prächtigen Alpwiese auf. „Unsere Moorlandschaft ist sehr sensibel. Alle haben ein Interesse daran, diese zu erhalten und auf guten und schönen Wanderwegen zu gehen. Meine Arbeit ist eigentlich nie zu Ende, dafür ist das Gebiet zu gross und zu wenig übersichtlich“, sagt Beat und zückt seinen Notizblock. „Den habe ich immer dabei und am Abend sind wieder ein paar Seiten voll mit Aufgaben. Ich hätte gerne immer alles perfekt.“ Trotzdem schafft es der begnadete Handwerker, nicht in Hektik zu verfallen. Stress sei gar nicht gut für ihn. Er mache seine Sachen lieber gut und richtig, auch wenn das manchmal länger dauert. Dafür gönne er sich mittags jeweils eine Auszeit an einem schönen Platz am Berg. „Das ist mein Luxus. Wenn ich morgens im Radio die Verkehrsmeldungen höre, bin ich immer wieder froh, hier zu sein.“

 

"Die Übergänge in den Jahreszeiten sind jedes Jahr anders. Das fasziniert mich", sagt Beat Felder.


Die Spuren der Biker

Beat Felder ist ein Glücksfall für die Tourismusgemeinde Sörenberg Flühli. Eine plötzliche Holzstauballergie setzte seiner Karriere als Schreiner oder Zimmermann ein Ende. Über den Aushilfsjob als Loipenpräparator schaffte er sich damals kurzerhand selber eine ganzjährige Stelle. „Langweilig wird mir nie“, sagt Beat mit Blick auf den Emmensprung. In Zukunft, ist er überzeugt, werde der Bike-Trend zur wachsenden Herausforderung: „Es ist ja so eine Sache mit den Bikern: Jeder weiss, dass die Wanderwege nicht dafür gemacht sind. Aber die wenigsten sehen die Schäden. Wer fährt schon zurück den Berg hoch, wo man eben ‚runtergerast‘ ist und eine fette Bremsspur hinterlassen hat? Solche Rillen werden dann vom Regen ausgewaschen. Das kann man nicht mehr reparieren“, sagt Beat und zeigt mit konsternierter Miene auf eine ebensolche Spur. Ganz klar, es ist ein Reizthema. „Wenn möglich, versuchen wir Biker und Wanderer zu trennen. Es braucht Aufklärung und eine saubere Signalisation. Da hilft die Biosphäre Entlebuch enorm mit. Ziel ist, alle zufriedenzustellen.“

 

Beat Felder kennt sein Gebiet bis in die hintersten Winkel.


Die Natur bestimmt den Tag

Wir haben Glück mit dem Wetter, nach einem kräftigen Regenguss am Morgen strahlt die Sonne zwischen den Wolken hervor. „Ohne einen Wetterbericht gehe ich nicht aus dem Haus. Ich will auf alles vorbereitet sein. Nicht selten wirft das Wetter meinen Tages- oder gar Wochenplan über den Haufen. Aber das ist doch schön, denn die Natur heilt sich manchmal selber und wir Menschen müssen uns anpassen.“ Genau so ein Fall gibt es ab dem 1. August in Flühli hautnah zu erleben. Die Hängebrücke am „Chessiloch“ wird eröffnet. Dieser Bau ist nicht etwa eine Touristenattraktion sondern war dringend nötig. „Die alte Brücke wurde mehrmals infolge Hangrutschs oder bei Hochwasser weggeschwemmt und musste immer wieder saniert werden.“ Rund 15 verschiedene Wanderrouten führen über dieses Gebiet in Richtung Städeli, Fürstei, Sattelpass oder Hagleren. Die Kollegen der Gemeinde warten bereits an der Baustelle. Am Anschlussweg gibt es noch einiges zu tun. Also machen wir uns auf dem Weg, wobei Beat, wen wunderts, im Minutentakt gegrüsst wird. „Ich erfahre viel Wohlwollen bei unserer Tourismusgemeinde, den Bergbahnen, Bauern und Touristen“, sagt er und grüsst lächelnd zurück.

 

Text und Bilder: Ramona Fischer

 

Neu auf der Geschäftsstelle: Adrian Wüest

Adrian Wüest in den Bergen. Da ist er am liebsten.


«Für Skitouren stehe ich gerne mitten in der Nacht auf»

Adrian Wüest aus Kriens arbeitet seit Anfang April auf der Geschäftsstelle der Luzerner Wanderwege. Er «beerbt» damit seinen Studienfreund Elias Vogler, der nach gut sieben Jahren an vorderster Front eine verdiente Auszeit nimmt und mit Freundin und Fahrrad auf Reisen geht.

Die beiden Kollegen teilen nicht nur das Flair für technische Applikationen wie das bei den Wanderwegen so wichtige Geoinformationssystem (GIS), sondern auch die Freude an Projektierung, Planung und Umsetzung. «Das Spannende an meiner Arbeit ist der gesamte Prozess. Von der ursprünglichen Idee bis zur tatsächlichen Realisierung vor Ort ist ein weiter Weg. Zum Beispiel reizt mich ein neuer Wanderweg von fast fünf Kilometern. Aktuell arbeiten wir an der Linienführung, suchen Lösungen mit Eigentümer und hoffen, dass das Projekt die Baubewilligung erhält. Damit könnten wir den Wanderern in der Region einen tollen Mehrwert bieten.»

Auch nach Feierabend oder an freien Tagen sind Adrian und Elias gemeinsam unterwegs. «Wir sind leidenschaftliche Skitourengänger. Wenn Berge und Pulverschnee rufen, stehe ich dafür gerne mitten in der Nacht auf.» Geschäftsleiter Andreas Lehmann meint dazu nur: «Manchmal ist es besser, wenn ich nicht weiss welches Couloir die beiden als nächstes hochsteigen.»

 

Adrian glücklich auf dem Gipfel.

 

Die Arbeit führt Adrian oft nach draussen. «Diese Kombination schätze ich sehr an meinem neuen Job. Auf den Wanderwegen entstehen Visionen, in Gesprächen werden Möglichkeiten ausgelotet und am Computer konkret festgehalten. Mein Ziel ist, die verschiedenen Interessen zu vereinen und unsere Vorhaben auch gemeinsam mit freiwilligen Helfern zu verwirklichen.»

Wenn man den jungen Krienser privat antreffen möchte, ist die Chance irgendwo an der Pilatuskette am grössten. «Da oben bin ich sehr gerne. Ob zu Fuss, am Klettern oder mit dem Bike.» Da liegt die Frage nahe, wie es denn um das Verhältnis zwischen den Natursportlern steht. «Ich mache mich frühzeitig mit der Klingel bemerkbar, dass die Wanderer nicht erschrecken, fahre an engen Stellen langsam oder gehe zur Seite und grüsse freundlich. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Mein Wunsch ist generell, dass sich die Menschen mit mehr Respekt begegnen und weniger die Köpfe einschlagen.»

Im Kanton Luzern fehlt es Natur- und Sportbegeisterten wie Adrian wirklich an nichts. «Ausser an der Erlaubnis zum Wellenreiten auf dem Vierwaldstättersee», schmunzelt der ehemalige Spitzenleichtathlet. «Das wäre eine coole Abwechslung.» Einen etwas ruhigeren Ausgleich bietet ihm dafür sein Nebenverdienst. Als Ergänzung zur Teilzeitstelle bei den Luzerner Wanderwegen baut er Trockensteinmauern. «Das Handwerk fasziniert mich. Mit einem Auge suche ich immer nach neuem Rohmaterial. Der Sandstein aus unserer Region gefällt mir besonders gut.»

 

Im Sommer trifft man den Krienser auch beim Klettern.

 

Und womit belohnt sich Adrian nach einem langen Arbeitstag, einer anstrengenden Tour oder einfach so? «Mit Raclette. Als Sohn einer Walliserin kann ich darauf nicht verzichten.» Seine Eltern haben sich übrigens vorgestellt, ihr Sohn werde einmal Pfarrer. «Als ich dann einmal gemerkt habe, dass die Opfergaben gar nicht in die Taschen des Pfarrers wandern, sank mein Interesse rapide», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Man merkt schnell, Adrian ist für so manchen Spass zu haben.

Wir freuen uns, mit Adrian Wüest einen kompetenten Ansprechpartner an Board zu haben. Er bereichert unser Büro mit seiner sympathischen Art und teilt unsere Begeisterung für Natur und Bewegung.

 

Text: Ramona Fischer

Bilder: Adrian Wüest