Vandring in Schweden
Eine Reise nach Schweden bedeutet automatisch viel Natur.
Und was gibt es da Naheliegenderes, als dieses weite Land wandernd zu erkunden?
Carmen Meyer, Mitarbeiterin bei den Luzerner Wanderwegen, dachte sich genau das, als sie mit ihrer Familie in den Sommerferien in Südschweden war.
Gerade sind wir an einem kitschig schönen Campingplatz angekommen. Mitten im Wald, mit vier runden Glamping-Zelten und einem kleinen Seerosen-Weiher mit eigenem Ruderboot. Fast zu schön, um wahr zu sein. Oder eben typisch schwedisch. Gemäss Google Maps müsste der kleine See Furusjön ganz in der Nähe liegen. Wir marschieren los. Das Gebüsch ragt über den Weg, wir bahnen uns durchs Dickicht, kommen an einer verlassenen Bahnlinie vorbei. Sind wir wirklich richtig? Bald schon entdecken wir aber die erste Wanderweg-Signalisation: Ein rotes Band am Baumstamm mit verschnörkeltem Kreuz. Kurze Zeit später ein einfacher Holzwegweiser mit demselben Kreuz und roter Einfassung. Erleichterung: Was so ein einfaches Schild doch bewirken kann. Der See ist nach einer knappen Stunde erreicht. Schon an die schwedische Ruhe gewöhnt, sind wir leicht enttäuscht, dass sich mehr Leute als gedacht am Ufer des Sees aufhalten. Auf dem Rückweg dem anderen Seeufer entlang steht die Sonne schon tiefer und scheint durch die Bäume hindurch. Schon sind wir wieder in der gewohnten Einsamkeit und geniessen die Naturschönheiten.
Eine weitere Wanderung wollen wir im Nationalpark Store Mosse unternehmen. Südschwedens grösstes Moorgebiet mit seinen Kiefernwäldern soll beeindruckend sein. Hier sind diverse Wanderwege gut ausgeschildert und kaum zu verpassen. Über sumpfige Ebenen führen duzende von Holzstegen. Die Natur ist eindrücklich - und doch denkt sich die typische Schweizerin: Der Wald und das Moor sind toll, aber irgendwie stundenlange gleich. Wir sind eben nicht in der kleinen Schweiz, wo man sich eine grosse Vielfalt an Landschaftsformen auf kleinem Raum gewohnt ist. Die Kinder balancieren fröhlich über den gefühlt 101. Steg. Ich merke, dass es im Wald doch ständig Neues zu entdecken gibt: Knorrige Kiefern erinnern an Drachen und Fantasietiere, an manchen von Moos überwucherten Stellen fühlt man sich wie im Märchenwald. Und zum Schluss entdecken wir sogar eine fleischfressende Pflanze im Moor. Die kleinen Dinge machen die Schönheit einer Wanderung aus, nicht das grosse Spektakel.
Nach der Rückkehr lese ich, dass in Schweden das "Vandring" - ähnlich wie in der Schweiz - grosse Bedeutung hat. Anders als bei uns ist in Schweden allerdings der Schwedische Touristenverein (STF) für die Wanderwege und die Signalisation zuständig. Grundsätzlich in Orange, wobei es im nördlichen Teil auch rote Markierungen gibt. Die Systematik ist nicht ganz durchgehend. Sogenannte Signaturleder gibt es im ganzen Land, dies sind ausgewählte Wanderwege, welche die Vielfalt und Schönheit Schwedens besonders gut zeigen. Ausserdem bietet das STF auf vielen bekannten Wanderwegen eigene Unterkünfte, wo günstig übernachtet werden kann. Ähnlich wie in der Schweiz ist in Schweden das Wandern eines der am meisten verbreiteten Freizeitaktivitäten.
Mich hat Schweden definitiv in seinen Bann gezogen. Die Seen, die Wälder, die roten Häuschen, die sympathischen Menschen, die Gelassenheit und die ruhigen Städte. Und unendlich viele Wanderwege, die es noch zu entdecken gäbe."