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Blick über die Grenzen: Wandern in Südkorea?

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Blick über die Grenzen

Wandern in Südkorea?

Die Schweizerin Simona Gieriet arbeitete mehrere Monate bei SCHAUPLATZ in Seoul, einer Organisation, welche den Kulturaustausch zwischen der Schweiz und Korea fördert. Wir haben mit ihr über das Wandern in Südkorea gesprochen und erstaunliche Einblicke erhalten.

Interview mit Simona Gieriet, Mitarbeiterin bei SCHAUPLATZ in Seoul

Carmen Meyer (Luzerner Wanderwege): Liebe Simona, erzähl uns doch kurz, wer du bist.

Simona Gieriet (Schauplatz in Seoul): Ich bin Simona Gieriet, aufgewachsen in Bonaduz im Kanton Graubünden. Nach meinem Bachelorstudium in Tourismus – während dem ich auch bei den Wanderwegen Graubünden mitwirken durfte – zog es mich hinaus in die Welt. Meine Neugier auf neue Kulturen und Perspektiven hat mich letzten Herbst nach Seoul geführt, wo ich für Schauplatz arbeiten durfte – ein von Schweizern geführtes Unternehmen, das den kulturellen Austausch zwischen der Schweiz und Südkorea fördert und sich auf besondere Reisen nach Korea spezialisiert hat. 

CM: Südkorea verbinden wir in der Schweiz nicht unbedingt mit Wandern. Du sagst aber, in Südkorea sei Wandern sehr beliebt?

SG: Ja, das stimmt – und das hat mich anfangs selbst überrascht. Wandern gehört in Südkorea für viele selbstverständlich zum Alltag. Gerade an den Wochenenden sieht man Menschen in kompletter Funktionsausrüstung mit Wanderstöcken und Picknick im Rucksack – schon früh morgens in der U-Bahn auf dem Weg zum nächsten Gipfel. Für viele ist es mehr als nur Bewegung: Es ist ein Ritual, eine Auszeit vom hektischen Stadtleben, manchmal auch ein spiritueller Moment.

CM: Wie kommt diese Wanderfreude der Südkoreaner, war das schon immer so?

SG: Die Liebe zu den Bergen hat in Korea lange Tradition. Berge gelten als heilige Orte, viele Tempel wurden bewusst in abgelegene Gebirgsregionen gebaut. Früher dienten die Wege zwischen den Dörfern auch als wichtige Verbindungspfade. Nach dem Koreakrieg wurde Wandern zu einer populären Freizeitaktivität – als günstiger, zugänglicher Ausgleich zum urbanen Alltag. Heute ist es fest im Lebensstil verankert, besonders bei älteren Menschen – aber zunehmend auch bei Jüngeren. 

CM: Wie müssen wir uns die Landschaften und die Wege in Südkorea vorstellen, ist das mit der Schweiz vergleichbar?
SG: Die Natur hier ist unglaublich vielfältig. Man findet Bergpfade, Küstenrouten, aber auch Wanderungen mitten durch die Stadt. Besonders eindrücklich ist die Vulkaninsel Jeju – dort treffen subtropisches und gemässigtes Klima aufeinander, was sich in einer einzigartigen Vegetation zeigt. Die Berge sind nicht so hoch wie bei uns, aber oft steil, felsig und bewaldet. Die Wege führen durch dichte Wälder, entlang alter Stadtmauern, über Gratwege mit Weitblick oder direkt am Meer entlang. Im Herbst färbt sich das Laub leuchtend rot und orange, im Frühling blühen Kirschbäume – dann ist Wandern besonders magisch. 

CM: Gibt es in Südkorea ähnlich der Schweiz Organisationen, die für die Signalisation und den Unterhalt der Wanderwege zuständig sind, oder wie ist das geregelt?
SG: Ja, vor allem in den Nationalparks ist die Korea National Park Service (KNPS) verantwortlich – dort ist alles sehr gut organisiert: mit Karten, Infotafeln, Notfallnummern und klaren Routenangaben. Auch ausserhalb der Nationalparks kümmern sich oft lokale Behörden oder Wandervereine um den Zustand der Wege. Was es allerdings nicht gibt, ist ein landesweit einheitliches Wegweiser-System wie bei uns mit den gelben Schildern.

CM: Gibt es in Südkorea auch verschiedene Kategorien an Wanderwegen?

SG: Teilweise, ja. In Nationalparks werden Routen meist nach Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand eingeordnet, oft mit hilfreichen Hinweisen für Anfänger:innen. Aber es fehlt eine schweizweit vergleichbare Standardisierung. Ich persönlich finde es oft schwieriger einzuschätzen, wie herausfordernd ein Weg tatsächlich ist.

CM: Ist Wandern in Südkorea auch bei jungen Leuten beliebt? Oder wer wandert hauptsächlich?
SG: Lange war Wandern eher bei der älteren Generation beliebt. Aber in den letzten Jahren ist ein Trendwandel spürbar: Immer mehr junge Leute entdecken das Wandern für sich – auch durch Social Media, wo schöne Aussichtspunkte oder Cafés am Berg gerne geteilt werden. 

CM: Welche Regionen in Südkorea sind fürs Wandern am beliebtesten?

SG: Der Bukhansan Nationalpark direkt bei Seoul ist wahrscheinlich der bekannteste – fast wie ein alpiner Hausberg für die Millionenstadt. Dann Seoraksan im Nordosten mit seinen spektakulären Granitfelsen, Jirisan im Süden als höchster Berg des Festlands und natürlich Jeju Island mit ihren Vulkankegeln, Wasserfällen und Küstenwegen. Mein persönliches Highlight ist der Jeju Olle Trail – 21 Etappen rund um die Insel, direkt entlang des Meeres. 

CM: Kennt man in Südkorea die Schweiz und wenn ja, weiss man dass hier das Wandern auch so beliebt ist?

SG: Oh ja! Die Schweiz hat in Korea ein sehr positives Image – als sauberes, sicheres, natürliches Land mit Bergen, Käse und Uhren. Wenn ich erzähle, dass ich aus der Schweiz komme, höre ich fast immer: „Ohhh, the nature! So beautiful!“ Viele wissen auch, dass wir gerne wandern, aber nicht unbedingt, wie organisiert oder verbreitet es ist. 

CM: Herzlichen Dank für diese interessanten Einblicke in eine andere Wanderwelt!

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